Etwas, das ich peinlich spät begriffen habe: Man braucht kein AMS, um in mehr als einer Farbe zu drucken.
Lange dachte ich, mehrfarbig hieße entweder ein Bambu-AMS kaufen, eine MMU an den Drucker schrauben oder eine Stunde im Slicer sitzen und das Modell Fläche für Fläche einfärben. Alle drei fühlten sich nach viel zu viel Aufwand an für das, was ich eigentlich wollte — einen Schlüsselanhänger mit blauem Länderband und schwarzer Nummer, oder ein kleines Schild, bei dem der Text eine andere Farbe hat als die Platte dahinter. Für solche flachen, geschichteten Teile gibt es einen deutlich fauleren Weg, und der funktioniert auf einem komplett serienmäßigen Einfach-Extruder.
Wann du wirklich ein AMS brauchst — und wann eben nicht
Ein AMS lohnt sich, wenn die Farben in denselben Schichten verwoben sind: ein gedrucktes Bild, ein Verlauf, ein Logo, das alle paar Millimeter nach oben die Farbe wechselt. Das ist ständiges Wechseln mitten in der Schicht, und niemand steht sechs Stunden daneben und schiebt von Hand Filament nach.
Aber vieles, was man „mehrfarbig" nennt, ist das gar nicht. Eine Schlüsselanhänger-Platte, ein Namensschild, ein Untersetzer mit eingelegtem Logo, ein zweifarbiger Boxdeckel — da sind die Farben nach Höhe gestapelt, nicht in jede Schicht gemischt. Die Basis ist eine Farbe, der erhabene Text eine andere, vielleicht noch ein farbiger Streifen an einer Kante. Die Farbe wechselt nur auf wenigen bestimmten Höhen, und das druckst du auf einem Ender, einer stock A1 mini, was auch immer du hast.
Der eigentliche Trick steckt in der Datei, nicht im Drucker
Der Punkt, den die meisten übersehen: Ob ein Druck mehrfarbig wird, entscheidet sich lange vor dem Drucker. Es steckt in der 3MF. Eine sauber gebaute 3MF sagt dem Slicer, welche Region welche Farbe ist. Du öffnest sie in Bambu Studio oder OrcaSlicer und das Modell ist schon eingefärbt — Rahmen schwarz, Band blau, Text silber — und du hast nichts bemalt. Es ist eingebacken.
Mit AMS ordnet der Slicer diese Farben einfach deinen geladenen Spulen zu und macht die Wechsel für dich. Ohne AMS sieht der Slicer dieselbe Farbzuordnung und setzt eine Pause (oder einen M600-Filamentwechsel) auf jeder Schichthöhe, wo die Farbe wechselt. Du wechselst die Spule von Hand, drückst auf „Fortsetzen" und machst weiter. Ein flacher zweifarbiger Schlüsselanhänger ist meist ein Wechsel. Eine Rahmen-Band-Text-Platte sind zwei. Das ist eine Minute Aufmerksamkeit, verteilt über einen 20-Minuten-Druck — keine Schwerarbeit.
Wie ich einen zweifarbigen Schlüsselanhänger tatsächlich mache
Nichts Cleveres dabei, und genau das ist der Punkt:
- Fang mit einer 3MF an, in der die Farben schon regionsweise zugewiesen sind. (Das ist der entscheidende Teil — woher man die bekommt, gleich.)
- Öffne sie im Slicer. Wenn sie als Projekt mit den Farben und schon gesetzter Platte aufgeht, ist alles gut — du musstest nichts anfassen.
- Slicen. Auf einem Einfach-Extruder „Pause bei Farbwechsel" aktivieren (Bambu nennt es Filamentwechsel; Orca setzt ein
M600). Der Slicer bestimmt die genauen Schichten für dich. - Drucken. Bei der Pause altes Filament raus, neues durchschieben, bis die Farbe sauber kommt, fortsetzen.
Halte das Teil flach auf dem Bett — so wie ein Schlüsselanhänger ohnehin liegt. Flach heißt, die Farben sind sauber nach Höhe getrennt, und genau das lässt den Einfach-Extruder-Trick ohne Gefummel funktionieren.
Der ehrliche Haken
Ich tue nicht so, als wäre es Zauberei. Zwei echte Einschränkungen:
Erstens: Farben können nur nach oben wechseln. Wenn zwei Farben auf derselben Schicht nebeneinander liegen, kann ein manueller Wechsel das nicht — das ist tatsächlich AMS/MMU-Gebiet. Konstruier drumherum: die zweite Farbe oben als erhabenen Text oder als eingelassene Einlage, nicht neben die erste.
Zweitens: Erwarte etwas Ooze direkt am Wechsel. Die ersten Millimeter nach dem Fortsetzen ziehen manchmal ein bisschen alte Farbe mit. Ein paar Zentimeter Filament vor dem Fortsetzen von Hand durchspülen killt das meiste, und auf der Unterseite eines Schlüsselanhängers sieht das ohnehin nie jemand.
Und woher kommt eine „sauber gebaute" 3MF?
Das ist der ganze Grund, warum ich die Tools auf dieser Seite gebaut habe. Eine saubere, regionsweise eingefärbte 3MF von Hand im CAD zu machen ist fummelig — und genau dieser Schritt stoppt die meisten, bevor sie anfangen. Also spucken die Generatoren hier dir eine aus: Du wählst im Browser die Farben pro Region, klickst auf Export und bekommst eine 3MF, die direkt in Bambu Studio oder OrcaSlicer als fertiges Projekt aufgeht — Farben zugeordnet, Teil mittig auf dem Bett, fertig.
Der Mehrfarb-Schlüsselanhänger-Generator ist der offensichtliche Startpunkt — Text eintippen, Farbe pro Region setzen, herunterladen. Wenn du ein konkretes Beispiel für den höhengestapelten Ansatz willst, ist der Kennzeichen-Schlüsselanhänger ein schönes: schwarzer Rahmen, farbiges Länderband, erhabene Nummer, alles nach Höhe getrennt, alles ein flacher Druck.
Probier's beim nächsten Druck aus. Wenn du Mehrfarbe bisher aufgeschoben hast, weil du keine neue Hardware kaufen wolltest — du hast sie wahrscheinlich nie gebraucht.
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